{"id":8480,"date":"2024-03-13T08:23:00","date_gmt":"2024-03-13T07:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/theark.ch\/la-pme-valaisanne-recapp-it-developpe-des-applications-basees-sur-lia-depuis-bientot-10-ans-11318\/"},"modified":"2024-09-17T18:17:33","modified_gmt":"2024-09-17T16:17:33","slug":"heute-glauben-die-leute-daran-dass-es-funktioniert-11318","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theark.ch\/de\/news\/heute-glauben-die-leute-daran-dass-es-funktioniert-11318\/","title":{"rendered":"\u00abHeute glauben die Leute daran, dass es funktioniert\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die ganze Welt spricht von K\u00fcnstlicher Intelligenz. Dabei ist sie keine Neuerscheinung. Das Visper Unternehmen <a href=\"https:\/\/recapp.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">recapp IT<\/a> nutzt sie seit Jahren f\u00fcr seine Spracherkennungssoftware. Bei einem Treffen erkl\u00e4rt CEO David Imseng, welche positiven Nebeneffekte der KI-Hype mit sich bringt, was es braucht, damit Spracherkennung \u00fcberhaupt funktioniert, und wie sich sein Unternehmen vom Start-up zum KMU weiterentwickelt hat. Ein Blick hinter die Kulissen. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Recapp IT wird im Oktober zehn Jahre alt. Auch wenn sich das Unternehmen inzwischen zum KMU weiterentwickelt hat, konnte es sich einen gewissen Gr\u00fcndergroove bis heute bewahren. Das zeigt ein Besuch in den Firmenr\u00e4umlichkeiten, die sich in einem Dachgeschoss in n\u00e4chster N\u00e4he zum Bahnhof Visp befinden und sehr zweckm\u00e4ssig eingerichtet sind. Gut ein Dutzend Rechner befinden sich direkt an einer Wand des Sitzungszimmers, das auch gleich das B\u00fcro des Chefs beherbergt. \u00abEine kleine Feier machen wir bestimmt. Noch haben wir aber nichts Konkretes geplant\u00bb, antwortet CEO David Imseng auf die Frage, ob zum Jubil\u00e4um eine Party steigen wird. Er schaut mit Stolz auf das bisher Erreichte zur\u00fcck. \u00abWir sind organisch gewachsen und schreiben schwarze Zahlen\u00bb, sagt er. Aktuell besch\u00e4ftigt recapp IT f\u00fcnfzehn Mitarbeitende, die sich elf Vollzeitstellen teilen. Drei von ihnen befinden sich noch in Ausbildung und machen eine Lehre in den Bereichen IT oder Mediamatik.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die F\u00fctterung der Algorithmen<\/strong><br \/>\nAm Anfang des Unternehmens stand die Vision einer App, die Gesagtes m\u00f6glichst effizient und sinnvoll rekapitulieren kann. Deshalb auch der Firmenname recapp, der sich an die englische Bezeichnung f\u00fcr \u00abrecording app to recap\u00bb anlehnt. Heute bietet das Unternehmen Spracherkennungssysteme an, die Gespr\u00e4che in allen Schweizer Sprachen und Schweizerdeutschen Dialekten erkennt und in Text umwandelt. Kein einfaches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass allein im Oberwallis zig Dialektauspr\u00e4gungen gesprochen werden. Imseng erkl\u00e4rt die Funktionsweise der Software: \u00abSpracherkennung transformiert Gesprochenes in Geschriebenes, also Audioaufnahmen in Text. Das geschieht mit Hilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz.\u00bb Am Ende handle es sich um nichts anderes als Algorithmen, die trainiert werden, damit sie gewisse Muster erkennen. \u00a0<\/p>\n<p>Die gr\u00f6sste Herausforderung bei den Dialekten besteht laut Imseng darin, dass keine standardisierte Schreibweise besteht und die W\u00f6rter in den verschiedenen Dialekten sehr variabel ausgesprochen werden. \u00abIn der Schweiz kommt erschwerend hinzu, dass vergleichsweise wenig Menschen die Sprache sprechen und es schwieriger ist, Datenmaterial zu finden. Komplexe KI-Algorithmen ben\u00f6tigen jedoch viel Datenmaterial zum Trainieren des Systems\u00bb, so Imseng. Deshalb arbeitet das Unternehmen bereits l\u00e4nger mit dem Schweizer Fernsehen zusammen. Dank Aufnahmen des Senders sind viele Schweizer Dialekte abgedeckt. \u00dcberdies kann recapp zum \u00abF\u00fcttern\u00bb seiner Spracherkennung auch auf Kundenmaterial zur\u00fcckgreifen. Mittentscheidend f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeit der Software ist zudem der Inhalt der Aufnahmen selbst, also wie jemand spricht und \u00fcber was. \u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>KI sorgt hin und wieder f\u00fcr Lacher<\/strong><br \/>\nWas motiviert David Imseng \u00fcberhaupt, sich tagt\u00e4glich mit Sprache auseinanderzusetzen? Es sei nicht die Freude am Reden, sagt er lachend. \u00abMich fasziniert eher der technische Aspekt, weniger die Sprache oder die Laute an sich. Wie schafft es eine Maschine, aus Schallwellen W\u00f6rter zu erkennen? Das ist eine sehr spannende Frage.\u00bb Er erinnert sich an einen Kurs in Spracherkennung, den er vor rund 20 Jahren an der ETH in Lausanne besucht hat. \u00abDer vision\u00e4re Professor hat damals schon aufgezeigt, welchen Mehrwert es bieten w\u00fcrde, wenn an einem Ende des Telefons eine Person Deutsch spricht und der Computer das Ganze f\u00fcr die Person am anderen Ende der Leitung ins Chinesische \u00fcbersetzt.\u00bb Solche Systeme gibt es laut Imseng zwar heutzutage bereits auf dem Markt. Allerdings sei die KI noch immer weit davon entfernt, tats\u00e4chlich zu verstehen, was gesagt wird.<\/p>\n<p>\u00abDer Computer gibt lediglich Muster wieder, die er w\u00e4hrend des Trainings gelernt hat. Das funktioniert manchmal \u00fcberraschend gut und manchmal l\u00e4cherlich schlecht.\u00bb Diese Erfahrung k\u00f6nne man beim eigenen System auch machen. Auch wenn es beindruckend sei, was KI alles wiedergeben k\u00f6nne, komme es hin und wieder vor, dass in Sitzungsprotokollen ein v\u00f6llig unpassendes Wort auftauche, was dann f\u00fcr Lacher sorge. \u00abDas beruhigt mich\u00bb, nimmt Imseng Bezug auf die Diskussionen rund um die Gefahren von K\u00fcnstlicher Intelligenz. \u00abKI versteht nicht. Sie ist weder intelligent noch kreativ. Dahinter steckt nichts als Mathematik.\u00bb Er muss es wissen. Sein Unternehmen hat schliesslich tagt\u00e4glich mit Algorithmen zu tun. \u00abWir besch\u00e4ftigen uns jetzt seit zehn Jahren mit der Materie und machen seither eigentlich immer in etwa dasselbe.\u00bb Nur der Begriff habe sich \u00fcber die Jahre ge\u00e4ndert. \u00abZu Beginn redete man von Machine Learning, dann von Deep Learning und Big Data und jetzt von KI.\u00bb \u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>IT-Fachleute sind Mangelware<\/strong><br \/>\nRecapp bietet verschiedene Instrumente im Bereich Spracherkennung an. Mit \u00abmediaparl\u00bb, einer Software zur Transkription von Parlamentssitzungen, hat das Unternehmen schweizweit Fuss gefasst. \u00abMehr als zehn Kantone und zwanzig St\u00e4dte nutzen mediaparl. Die grossen Kantone Bern, Z\u00fcrich und Basel z\u00e4hlen ebenfalls dazu. Wir gehen davon aus, dass weitere hinzukommen werden.\u00bb Ein anderes Angebot ist \u00abt\u00f6ggl\u00bb, mit dem via Account Sprachaufnahmen aller Art in Text umgewandelt werden k\u00f6nnen. Im Jahr 2023 lag der Umsatz von t\u00f6ggl 10 Mal so hoch wie im Einf\u00fchrungsjahr 2021. \u00abAm Anfang war <a href=\"https:\/\/t\u00f6ggl.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">t\u00f6ggl<\/a> ein Nebenprodukt. Inzwischen wird es aber immer wichtiger f\u00fcr uns\u00bb, so Imseng. Brandneu ist zudem ein drittes Angebot. Seit Anfang Jahr steht mit \u00abvoscriba\u00bb eine lokal installierbare Spracherkennung f\u00fcr hochsensible juristische Einvernahmen zur Verf\u00fcgung \u2013 aufgrund der k\u00fcrzlich angepassten Strafprozessordnung k\u00f6nnen entsprechende Gespr\u00e4che neu aufgezeichnet werden. \u00abDas ist im Moment ein interessanter Markt f\u00fcr uns.\u00bb<\/p>\n<p>Angesprochen auf den Standort Wallis erkl\u00e4rt der recapp-CEO, dass dieser aus seiner Sicht weder Vor- noch Nachteile bietet. F\u00fcr sein Unternehmen sei es allerdings eine Herausforderung gewesen, auf dem Weg zum KMU gen\u00fcgend qualifizierte IT-Fachleute zu finden. \u00abEs freut mich sehr, dass wir das geschafft haben. Drei Mitarbeitende sind sogar dank unserer Firma aus der Deutschschweiz ins Wallis gezogen.\u00bb Als Gewinn f\u00fcr den Kanton bezeichnet Imseng die Unterst\u00fctzung von Start-ups, etwa durch die Stiftung The Ark oder das CCF. \u00abOhne diese Instrumente w\u00fcrde es kaum Start-ups im Wallis geben\u00bb, betont er. Auch recapp hat davon profitiert, beispielsweise durch ein Entwicklungsprojekt w\u00e4hrend der Corona-Pandemie, in welcher der Umsatz stagnierte. \u00abDie Unterst\u00fctzung war zu diesem Zeitpunkt sehr hilfreich, um uns in einem schwierigen Umfeld weiterzuentwickeln.\u00bb<br \/>\n\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hype sorgt f\u00fcr weiteres Wachstum<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die kommenden Jahre ist Imseng zuversichtlich. \u00abDank dem aktuellen Hype um k\u00fcnstliche Intelligenz erwarten wir ein weiteres Wachstum. Bis vor ein paar Jahren musste man noch stets erkl\u00e4ren, dass Spracherkennung funktioniert. Der KI-Trend hat dies ge\u00e4ndert. Heute glauben die Leute daran, dass es funktioniert\u00bb, sagt er. Grunds\u00e4tzlich sei es sein Ziel, sich mit recapp in den n\u00e4chsten Jahren weiter als KMU im Wallis zu etablieren. \u00abEs w\u00e4re je nach Marktentwicklung aber auch denkbar, Partnerschaften mit anderen Firmen einzugehen oder recapp in gr\u00f6ssere Unternehmensstrukturen zu integrieren.\u00bb Bei m\u00f6glichen Partnerschaften denkt Imseng etwa an eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das im Bereich Spracherkennung Hardware vertreibt und in diese k\u00fcnftig recapp-Software integrieren will. \u00abWarum nicht ein Mikrophon entwickeln, das gleichzeitig transkribieren kann?\u00bb<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/strong><br \/>\nDavid Imseng ist Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der im Jahr 2014 gegr\u00fcndeten recapp IT AG mit Sitz in Visp. Er verf\u00fcgt \u00fcber einen Bachelor, Master und Doktortitel der EPF (ETH) in Lausanne. Imseng war mehrere Male Visiting Scholar am <a href=\"https:\/\/www.icsi.berkeley.edu\/icsi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">International Computer Science Institute <\/a>(ICSI) in Berkeley (California, USA), wo er unter anderem an der Entwicklung von Spracherkennungsl\u00f6sungen f\u00fcr Sprachen mit wenig Ressourcen arbeitete. Im Anschluss an sein Doktorat arbeitete er als Research Associate am Idiap Research Institute in Martinach, bevor er sich mit dem Start-up recapp selbst\u00e4ndig gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>Mehr \u00fcber recapp IT<\/strong>: <a href=\"https:\/\/recapp.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/recapp.ch<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ganze Welt spricht von K\u00fcnstlicher Intelligenz. Dabei ist sie keine Neuerscheinung. Das Visper Unternehmen recapp IT nutzt sie seit Jahren f\u00fcr seine Spracherkennungssoftware. 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