Das Walliser Start-up Neuralia mit Sitz in Sion und das auf die Instandhaltung von Industrieanlagen spezialisierte KMU Services Techniques Alpins SA (STA) aus Sembrancher haben gemeinsam an einem innovativen Projekt gearbeitet, das von der Stiftung The Ark gefördert wird. Das Ziel: die Entwicklung einer KI-Lösung, die Techniker bei der Fehlerdiagnose unterstützt, indem sie auf den Verlauf früherer Einsätze und technische Handbücher zurückgreift. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,4/5 in den Tests durch die Bediener zeigt dieser Prototyp das Potenzial der KI, technisches Fachwissen zu bewahren und den Kompetenzaufbau neuer Mitarbeiter zu beschleunigen.
Wie viele Unternehmen im Bereich der technischen Wartung und Reparatur steht STA vor einem kritischen Fachkräftemangel. „Erfahrene Techniker verfügen über wertvolles Fachwissen, das jedoch mit ihrem Ausscheiden nach und nach verloren geht“, erklärt Lionel May, Geschäftsführer von STA. „Umgekehrt haben Nachwuchskräfte Schwierigkeiten, sich schnell weiterzubilden und zu Beginn ihrer Karriere Störungen effizient zu diagnostizieren.“
Angesichts dieser Feststellung suchte STA nach einer Lösung, um die aus den Störungen gewonnenen Daten zu nutzen und so seine Mitarbeiter bei der Diagnose zu unterstützen. „Wir mussten einen Weg finden, unsere im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen zu nutzen“, erklärt Lionel May. „Die Idee war, dieses Wissen in ein praktisches Tool umzuwandeln, das allen unseren Technikern zugänglich ist.“
Vor diesem Hintergrund startete das Projekt mit Neuralia mit dem Ziel, Einsatzhistorien, technische Handbücher und künstliche Intelligenz zu kombinieren, um einen Diagnoseassistenten zu entwickeln.
Drei Hauptziele
Das Projekt verfolgte laut Gary Folli, dem Gründer von Neuralia, drei Ziele. „Erstens: Schnellere und effizientere Fehlerbehebung, indem die Techniker zum richtigen Zeitpunkt zur richtigen Lösung geführt werden. Zweitens: Das Fachwissen bewahren, bevor es verloren geht, indem das Know-how der erfahrenen Techniker erfasst wird. Drittens: Den Kompetenzaufbau der Nachwuchskräfte beschleunigen, damit diese schneller selbstständig arbeiten können.“
Für Lionel May war die Herausforderung im aktuellen Kontext besonders groß. „Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zwingt uns dazu, unsere Arbeitsmethoden zu überdenken. Wir können es uns nicht mehr leisten, bei jedem Renteneintritt jahrelanges Know-how zu verlieren.“
Das Projekt begann mit einer Bedarfsanalyse, gefolgt von einem Proof of Concept (PoC), der mit Unterstützung von The Ark durchgeführt wurde. „Wir haben die Störungsdatenbanken sowie die Maschinenhandbücher genutzt und diese mit KI kombiniert“, erläutert Gary Folli.
Umfangreiche Tests mit den Bedienern
Nachdem der Prototyp entwickelt war, wurde er von den Bedienern bei STA ausgiebig getestet. „Die Techniker konnten Notizen und Kommentare zu den von der KI generierten Antworten hinterlassen. Dieses Feedback ermöglichte es uns, die Zufriedenheit zu messen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren“, präzisiert Gary Folli.
Insgesamt wurden 53 Störungsfälle getestet, mit einer Durchschnittsbewertung von 3,4/5. „Das allgemeine Feedback der Nutzer ist eindeutig: Der Prototyp ist bereits in seiner jetzigen Form einsatzfähig und vor Ort nützlich. Das ist besonders vielversprechend, da der Spielraum für Verbesserungen nach wie vor sehr groß ist“, betont der Gründer von Neuralia. Für Lionel May bestätigen diese Ergebnisse das Potenzial der Lösung. „Unsere Techniker waren angenehm überrascht von der Relevanz der Antworten. Auch wenn dies erst der Anfang ist, bietet ihnen das Tool bereits konkrete Unterstützung bei ihrer täglichen Arbeit.“
Technische Herausforderungen gemeistert
Das Projekt verlief nicht ohne Herausforderungen. „Die größten Hindernisse betrafen die Qualität und Strukturierung der Daten, die Fähigkeit der KI, sehr spezialisierte Daten im Zusammenhang mit Maschinenausfällen zu interpretieren, sowie die Wahl des richtigen technischen Ansatzes“, erklärt Gary Folli.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass man in der KI „ein Projekt niemals allein anhand von anfänglichen Annahmen beurteilen sollte. Der einzig verlässliche Ansatz besteht darin, konkret mit einem Prototyp zu testen und diesen von Fachexperten bewerten zu lassen“, merkt er an. „In diesem speziellen Fall war es anfangs nicht offensichtlich, dass die KI in einem handwerklichen Beruf einen so relevanten Einfluss haben würde. Man neigt fälschlicherweise dazu, diese Anwendungsfälle im Vergleich zu administrativen oder kognitiven Tätigkeiten zu unterschätzen.“
Die entscheidende Rolle von The Ark
„The Ark spielte während des gesamten Projekts eine Schlüsselrolle, indem es die Finanzierung sicherstellte, was es ermöglichte, das Projekt trotz anfänglicher Unsicherheiten zu starten“, betont Gary Folli. „Aber über den finanziellen Aspekt hinaus war die strategische und technische Beratung in jeder Phase von unschätzbarem Wert: bei den Funktionen, der Produktausrichtung und den technischen Entscheidungen.“
Für Lionel May war diese Begleitung entscheidend. „Ohne die Unterstützung von The Ark hätten wir uns wahrscheinlich nicht an ein solches Projekt gewagt. Dank ihres Fachwissens konnten wir zuversichtlich voranschreiten.“
Auf dem Weg zu einer umfassenden Plattform: MaintriX
Angesichts dieser ermutigenden Ergebnisse ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. „Das Ziel ist es, diesen Prototyp in eine umfassende Plattform umzuwandeln, die den Namen MaintriX tragen wird“, kündigt Gary Folli an. „Derzeit laufen Tests in anderen Unternehmen, die mit denselben Diagnoseproblemen konfrontiert sind, und auch dort sind die Ergebnisse sehr vielversprechend.“
Auf einen Blick
Gesamtkosten des Projekts: [bitte ausfüllen]
Von der Stiftung The Ark investierter Betrag: CHF 10’000.-
Projektdauer: 8 Monate (April 2025–Dezember 2025)