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2. September 2025

Proseed: Eine Walliser Technologie für eine kreislauforientierte und CO₂-arme Ernährung

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Dank ihrer ökoeffizienten Trocknungstechnologie verwandelt das Start-up Proseed feuchte Lebensmittelnebenprodukte in hochwertige Zutaten für die Lebensmittelindustrie. In Zusammenarbeit mit GMSA konnte das Unternehmen die Machbarkeit eines kreislauforientierten, lokalen und nachhaltigen Modells nachweisen.

Das am Campus Energypolis in Sitten ansässige und von der Stiftung The Ark unterstützte Start-up Proseed widmet sich einer grossen Herausforderung der Lebensmittelindustrie: der Verwertung feuchter Nebenprodukte. Diese Rückstände, die unter anderem bei der Herstellung von Bier, Tofu, Fruchtsäften oder pflanzlichen Milchalternativen entstehen, sind reich an Ballaststoffen und Proteinen, verderben jedoch innerhalb weniger Stunden. «Sie werden oft entsorgt, weil tragfähige Lösungen fehlen. Unsere Technologie verändert dies grundlegend», erklärt Aurélien Ducrey, Mitgründer von Proseed.

Die Lösung? Ein innovatives Trocknungsverfahren, das entwickelt wurde, um doppelt so energieeffizient zu sein wie herkömmliche Systeme. Speziell an die Anforderungen feuchter Lebensmittelbiomasse angepasst, ermöglicht dieser Prozess eine schnelle Stabilisierung unter gleichzeitiger Erhaltung der ernährungsphysiologischen und geschmacklichen Eigenschaften der Rohstoffe.

Von der Brauerei zur Bäckerei: ein funktionierendes Ökosystem

Die Zusammenarbeit zwischen Proseed und Groupe Minoteries SA (GMSA) ermöglichte die konkrete Umsetzung eines Kreislaufwirtschaftsmodells im Lebensmittelbereich. Gemeinsam entwickelten sie eine Mehlmischung mit Biertreber, der mithilfe der innovativen Proseed-Technologie getrocknet und anschliessend von GMSA vermahlen wurde. Daraus entstand das «Baguette du Drêcheur». Dieses ballaststoff- und proteinreiche Baguette vereint Geschmack und ernährungsphysiologische Vorteile und erfüllt zugleich die Erwartungen von Bäckereibetrieben und Konsumenten. Für Proseed stellte diese Partnerschaft eine strategische Gelegenheit dar, die konkreten Anwendungen ihres Trocknungsverfahrens aufzuzeigen und dessen Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu demonstrieren – von der Stabilisierung des feuchten Nebenprodukts bis zur Herstellung eines hochwertigen Endprodukts.

Vielversprechende Tests in weiteren Lebensmittelbranchen

Im Rahmen dieser Dynamik führte Proseed auch Tests in anderen Bereichen der Lebensmittelindustrie durch, insbesondere in der Soja- und Fruchtverarbeitung. «Die ersten Ergebnisse im Sojabereich sind sehr ermutigend und zeigen ein grosses Potenzial für die Verwertung der Rückstände», präzisiert Aurélien Ducrey. Auch die Versuche mit Fruchttrestern eröffnen interessante Perspektiven, obwohl sie aufgrund der saisonalen Produktion komplexer sind. Diese Untersuchungen bestätigen die Anpassungsfähigkeit der Technologie an verschiedene Arten von Nebenprodukten und stärken die Vision von Proseed: dezentrale Trocknungseinheiten möglichst nahe an den Biomassequellen einzusetzen, um ein kreislauforientiertes und nachhaltiges Ernährungssystem aufzubauen.

🎦 Sehenswert : das Interview mit Aurélien Ducrey in der Sendung Basik des RTS.