Könnte das charakteristische Blau von Jeans künftig aus im Wallis angebauten Pflanzen gewonnen werden? In Conthey hat Mediplant mit Unterstützung der Stiftung „The Ark“ das Projekt „Indigo aus den Alpen“ entwickelt. Diese innovative Initiative zielt darauf ab, aus dem Färberwaid ein natürliches und rückverfolgbares Pigment herzustellen. Zwischen angewandter Forschung, der Nutzung lokaler Ressourcen und Perspektiven für eine nachhaltigere Textilindustrie verdeutlicht dieses Projekt das Innovationspotenzial der Lebenswissenschaften im Wallis.
Das Thema hat kürzlich die Aufmerksamkeit des Senders RTS auf sich gezogen, der ihm in seiner 19:30-Uhr-Ausgabe einen Beitrag widmete. Diese landesweite Aufmerksamkeit zeugt vom wachsenden Interesse an nachhaltigen Alternativen in der Textilindustrie.
Eine traditionelle Farbe, die wieder modern wird
Lange vor dem Aufkommen synthetischer Farbstoffe wurde Indigo bereits zum Färben von Textilien verwendet. Heute steht die Textilindustrie vor der Notwendigkeit, ihre Umweltbelastung zu verringern. In diesem Zusammenhang gewinnen natürliche Farbstoffe wieder an strategischer Bedeutung.
Das Projekt „Indigo des Alpes“, das von Mediplant im PhytoArk in Conthey getragen wird, fügt sich nahtlos in diesen Trend ein. Sein Ziel: die Herstellung von natürlichem Indigo aus der Färberwaid (Isatis tinctoria), einer einheimischen Pflanze, die im Rhonetal natürlich vorkommt und seit Jahrhunderten für ihre Färbeeigenschaften bekannt ist.
Von der Pflanze zum Pigment
Die Umwandlung einer Pflanze in ein Textilpigment erfordert jedoch weit mehr als nur die Ernte. Die Teams von Mediplant arbeiten seit mehreren Jahren an der Optimierung der Anbau-, Ernte- und Extraktionsmethoden, um ein hochwertiges Pigment zu gewinnen, das den Anforderungen der Industrie entspricht.
Die Gewinnung eines stabilen, reproduzierbaren und mit den Anforderungen der Textilbranche kompatiblen Pigments stellt eine echte wissenschaftliche Herausforderung dar. Mehrere Jahre Forschung und Versuche im Pilotmaßstab waren notwendig, um die Extraktionsverfahren zu optimieren und die Qualität des hergestellten Pigments zu gewährleisten.
Dank überwiegend wasserbasierter Verfahren und Methoden der „grünen Chemie“ ist es den Forschern gelungen, ein natürliches Indigopulver herzustellen, das bereits in verschiedenen textilen Anwendungen getestet wurde. Dieser Ansatz ermöglicht die Nutzung einer nachwachsenden Ressource und reduziert gleichzeitig den Einsatz bestimmter, umweltschädlicherer Verfahren.
Aufbau einer lokalen Wertschöpfungskette
Über die wissenschaftliche Innovation hinaus verfolgt „Indigo des Alpes“ auch wirtschaftliche und regionale Ziele. Das Ziel ist es, zur Schaffung einer lokalen Wertschöpfungskette beizutragen, die vom Anbau der Pflanzen über die Verarbeitung des Pigments bis hin zu dessen Verwendung in der Textilindustrie reicht.
Die mit „Indigo des Alpes“ erzielten Ergebnisse haben es Mediplant zudem ermöglicht, sich am europäischen Projekt AlpTextyles zu beteiligen. Dieses wird vom Interreg-Programm „Alpenraum“ unterstützt und bringt Partner aus mehreren Ländern zusammen, um natürliche Farbstoffe und neue, nachhaltigere textile Wertschöpfungsketten zu entwickeln.
Dieser Ansatz ist Teil einer umfassenderen Debatte über die Rückverlagerung bestimmter Produktionen und die Entwicklung kurzer Lieferketten. Er eröffnet zudem Perspektiven für Landwirte, Unternehmen und Akteure der Textilbranche, die nach nachhaltigen Alternativen suchen.
Innovation im Dienste der Region
Das Projekt „Indigo des Alpes“ zeigt, dass sich Innovation nicht auf neue digitale oder industrielle Technologien beschränkt. Sie kann auch aus der Wiederentdeckung bestehender natürlicher Ressourcen und deren Aufwertung durch wissenschaftliche Forschung entstehen.
Durch die Verbindung von Biowissenschaften, Landwirtschaft und nachhaltiger Entwicklung trägt Mediplant dazu bei, neue Entwicklungsperspektiven zu eröffnen und gleichzeitig die regionale Verankerung der Innovation zu stärken.
Ein Ansatz, der das Innovationspotenzial des Wallis in den Lebenswissenschaften und im Bereich nachhaltiger Werkstoffe verdeutlicht und gleichzeitig den Weg für neue Wertschöpfungsketten rund um lokale natürliche Ressourcen ebnet.
Quelle: „Indigo des Alpes, die Farbe der Zukunft wächst im Wallis“, 19h30, Radio Télévision Suisse (RTS), Mai 2026.
Auf einen Blick
Von der Stiftung „The Ark“ investierter Betrag: chf 95’000.-
Projektdauer: 3½ Jahre (Januar 2021–Februar 2026)